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Q&A: Wie kann ich meinem Kind helfen, dieses verrückte Schuljahr gut abzuschließen?

Tipps von Lehrer*Innen an Eltern und Erziehungsberechtigte



Wir wissen alle, dass die Pandemie Kinder und Jugendliche besonders hart getroffen hat. Ein sich oft ändernder Unterrichtsmodus, fehlende Sozialkontakte und Bewegungsmangel tragen dazu bei, dass es vielen Kindern einfach nicht gut geht.


Eltern und Erziehungsberechtige sehen die Veränderungen in ihren Kindern, sind aber oft hilflos, ihnen effektiv zu helfen. Und jetzt ist geplant, den Präsenzunterricht für den Rest des Schuljahres (in Österreich) für alle Schüler*Innen wieder aufzunehmen. Das sorgt für zusätzliche Sorgen und Ängste.



Wie kann ich meinem Kind also helfen, dieses verrückte Schuljahr gut abzuschließen?




Ich habe Lehrer*Innen direkt gefragt:

 

Leo Weiss, Pädagogisches Zentrum am Sonnberg, Niederösterreich


Mehr denn je muss kurz vor Ende dieses außergewöhnlichen Schuljahres die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen im Vordergrund stehen. Es steht außer Frage, dass die Belastungen und Einschränkungen der Pandemie Kinder in besonders hohem Maß betroffen haben.

Umso wichtiger ist es daher, dass diese vor den möglicherweise anstehenden Tests und Schularbeiten uneingeschränkten Rückhalt und volles Vertrauen der Eltern spüren. Es darf durchaus erwartet werden, dass Schülerinnen und Schüler ihr Bestes geben, gleichzeitig sollte bei Gesprächen jedoch klar gemacht werden, dass Noten immer eine Momentaufnahme darstellen, niemals objektiv sein können (je niedriger die Schulstufe, desto mehr trifft dies zu) und dass es – meist – Möglichkeiten gibt, eine schlechte Leistungsbeurteilung in eine bessere Umzuwandeln.


Darüber hinaus, so es die Maßnahmen rund um die Pandemie zulassen, sollte der Alltag der Kinder und Jugendlichen vor allem die Isolation der letzten Monate ausgleichen. Freizeitaktivitäten innerhalb der Familie sowie ungezwungenes Beisammen sein mit Gleichaltrigen sollten also einen besonders hohen Stellenwert haben und in Balance zu schulischen Arbeiten stehen.


Um es auf den Punkt zu bringen: ein „Fünfer“ lässt sich ausbessern, dauerhafte psychische Schäden nur selten oder mit hohem Aufwand.


 

Lisa L.*, MS-Lehrerin, Wien

  • Nehmen Sie sich bewusst Zeit, um Ihr Kind zu fragen, wie es ihm in der Schule geht. Zeigen Sie Interesse für das Wohlbefinden Ihres Kindes und hören Sie aktiv zu.

  • Drücken Sie Ihr Verständnis für eventuelle Unsicherheiten, Ängste, Probleme (nicht nur die Pandemie betreffend) aus und machen Sie Ihrem Kind klar, dass es in dieser Situation nicht alleine ist.

  • Ermutigen Sie Ihr Kind, noch ausstehende Aufgaben und diverse Lerntätigkeiten zu erledigen - geben Sie Ihm dabei einen Ausblick, wie etwa: "Ich weiß, das letzte Schuljahr war schwierig für dich, es sind nur mehr wenige Wochen, dann kannst du dich verdient ausrasten :)" Bleiben Sie dabei konsequent.

  • Falls es Ihr Alltag erlaubt, fragen Sie Ihr Kind, ob Sie beim Lernen, bei Präsentationen, bei Hausaufgaben, etc., helfen können. Fragen Sie Ihr Kind auch, WAS es benötigt, um diese Tätigkeiten ausüben zu können. Das könnte ev. Lernhilfe, eine ruhiger Lernort, Pausen, Routinen, etc. sein.

Wenn auch Sie in diesen schwierigen Zeiten das Gefühl haben, Ihrem Kind keine Unterstützung zu sein, wenden Sie sich an die Schule. Mit Hilfe des Schulkooperationsteams, Beratungslehrer_innen, Psychagog_innen und Vertrauenslehrer_innen können Konzepte, Unterstützung und Entlastung sowohl der Kinder, als auch der Erziehungsberechtigten erarbeitet werden.

 

Andrea P.*, AHS-Lehrerin, Steiermark


Pandemiezeiten sind Stresszeiten für alle – auch für jene, die eigentlich immer alles gut meistern – in der Schule und sonst auch. Daher sollten wir uns auch über die resilienten Schüler*innen / Kinder Gedanken machen und überlegen, wie sie unterstützt werden können.

Mit Kindern sind natürlich auch jene Jungen Heranwachsenden gemeint, die „keinem über 30 trauen“. Aus schulischer Sicht kann ich, eine Lehrerin mit 30-jähriger Erfahrung, versuchen etwas beizutragen.


Einen geregelten Tagesablauf und Plan zu haben hilft jedenfalls.

In Normalzeiten tragen die äußeren Umstände dazu bei (Unterrichtsbeginn manchmal bereits um 7:30). In Lockdownzeiten hingegen, ist man auf sich selbst gestellt – hier können und ich meine sogar müssen Eltern dazu beitragen, dass die Kinder ihre Arbeit erledigen (können).


Nächtelange Social-Media-Aktivitäten des Nachwuchses sind dafür eher hinderlich. Echtes Interesse an der Arbeit der Kinder sowie ihrer abgegebenen Produkte (Aufgaben) jedoch, können ein game-changer sein. Wer zeigt nicht gern her, was er gemacht hat?


Bemerkt man, dass zu viel von der Schule eingefordert wird – ausgehend von 35 Stunden pro Woche – dann ist es wichtig, die Kinder dahingehend zu ermutigen, ihren Lehrer*innen Feedback zu geben, in dem sie ihre Sichtweise mit konkreten Argumenten unterlegt, mitteilen.

Das können auch schon die Kleinen – Fragen wie „was ist zu viel“, „warum ist es zu viel“, „was wäre besser“ können hier helfen, konkret zu werden. Die Kinder lernen gleichzeitig ihr Arbeitspensum zu reflektieren und erfahren dann hoffentlich eine positive Reaktion auf dieses Feedback.


Mit diesen beiden Punkten lernen Kinder Kompetenzen, die für ihr ganzes Leben wertvoll sind: sich die Arbeit einteilen zu können, diesen Plan einzuhalten, die Arbeitsbelastung zu reflektieren und Rückmeldungen geben zu können – Fähigkeiten, die nicht nur in der Schule wichtig sind.


 

Ich danke den Lehrer*Innen herzlich für Ihr Feedback und hoffe, dass Sie aus ihren Tipps etwas mitnehmen und Daheim umsetzen können.


Falls Sie Hilfe brauchen, Strukturen und Routinen mit ihren Kindern zu implementieren, oder nicht wissen, was Sie als nächstes tun sollen, dann holen Sie sich Hilfe bei Schulpsychagog*Innen, oder machen Sie sich bei mir direkt ein Beratungsgespräch aus.




* Namen geändert.

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