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Coronabedingte Zwangsnähe

Aktualisiert: 28. Apr. 2021

Tipps für das Zusammenleben als Paar, Familie und in einer Wohngemeinschaft.



Wer hätte das gedacht? Plötzlich im Homeoffice, Kontakte wurden massiv eingeschränkt und dann vielleicht noch mit kleinen Kindern daheim, die beschäftigt werden wollen oder denen beim distance learning geholfen werden muss.


In der Wohnung, die eigentlich immer groß genug war, wird der Platz plötzlich eng. Der Ess- wird zum Schreibtisch umfunktioniert, das Internet wird überlastet, mehrere Personen müssen gleichzeitig an wichtigen Meetings teilnehmen und nebenbei hat das Kind sein Getränk verschüttet.


Viele Menschen verbringen gerade jetzt viel mehr Zeit in den eigenen vier Wänden als noch vor einem Jahr. Das kann eine echte Belastungsprobe für das Zusammenleben werden.

Ohne Freiräume stellt sich früher oder später Lagerkoller ein - ob als Paar, Familie oder in einer Wohngemeinschaft mit FreundInnen. Man fühlt sich plötzlich gereizt, überfordert und unruhig.


In vielen Familien kommen echte Existenzängste hinzu – die Jobsicherheit wird in Frage gestellt, Kurzarbeit zwingt zu einer Budgetanpassung oder vielleicht wurde der Job tatsächlich verloren.


Den Kindern ist langweilig, die Nachrichtenflut schürt Ängste und ein Ende der Krise scheint in weiter Ferne zu sein. Ist es wirklich ein Wunder, dass man leichter aneinandergerät?


Doch es gibt durchaus Dinge, die man tun kann, um dem Lagerkoller entgegenzuwirken und um das Zusammenleben zu erleichtern.



Klare Strukturen und Tagesabläufe



Alltagsrituale, die vor der Pandemie selbstverständlich waren, sind heute oft nicht immer möglich. Nun ist es wichtig, sich mit den anderen Menschen im Haushalt zusammenzusetzen und neue Strukturen zu schaffen, die den Tagesablauf neu definieren. Das sorgt für zusätzliche emotionale Stabilität.


Verteilen Sie Aufgaben, legen Sie Zeiten für gemeinsame Mahlzeiten fest, kreieren Sie neue Rituale. Das hilft vor allem Kindern, den neuen Alltag zu meistern. Aber auch für MitbewohnerInnen oder Paare ist es hilfreich, eine klare Aufgabenteilung zu erstellen, damit jedeR weiß, was wann zu tun ist.



Corona-Regeln festlegen


Manchmal kommt es zu erhöhtem Stress, wenn die Haushaltsmitglieder ein anderes Verständnis der Situation haben als man selbst. Hier hilft eine direkte Kommunikation – welche Kontakte sind erlaubt und unter welchen Bedingungen? Wieviel Risiko möchte man sich gemeinsam aussetzen? Soll einmal in der Woche eingekauft werden, oder darf man auch so schnell einmal zum Supermarkt gehen? Was ist mit externen BesucherInnen?

Hier ist es wichtig, eine Balance zu finden, bei der sich jedeR wohlfühlt. Der Alltag sollte nicht von der Angst vor dem Coronavirus bestimmt werden, gleichzeitig aber sollten die offiziellen Maßnahmen zur Eindämmung und des Schutzes vor dem Virus so gut wie möglich eingehalten werden.



Freiräume schaffen


Egal wie sehr man die Menschen mag oder liebt, mit denen man zusammenwohnt: Wenn man ständig zusammen sein muss, fallen die Schwächen und Macken der anderen Person besonders stark auf. Dass der Partner in der Früh vor sich hin summt, mag irgendwann einmal süß gewesen sein, aber vielleicht geht es Ihnen heute so sehr auf die Nerven, dass Sie aus der Haut fahren möchten. Oder Sie verstehen nicht, warum die Mitbewohnerin Sie anschnauzt, wenn Sie zu kochen beginnen.


Hier hilft eine gute Planung und gemeinsame Absprachen – um seine eigene Privatsphäre, aber auch die des anderen zu schützen und zu respektieren.


Bewusste Freiräume und Momente der Distanz lassen eine Selbstreflektion zu. Wenn möglich, teilen Sie sich den Wohnraum so ein, dass Sie sich auch zurückziehen können. Ist die Wohnung zu klein, kann auch ein ausgedehnter Spaziergang helfen.


Kleine Auszeiten sind ebenfalls möglich und sehr zu empfehlen – mit einer Tasse Tee ans geöffnete Fenster stellen und ein paar Mal tief durchatmen, in Ruhe duschen, ein paar Yoga-Übungen machen. Tanken Sie durch individuelle Wohlfühlrituale neue Kraft und fassen Sie positivere Gedanken.


Wichtig ist, Zeit für sich selbst du haben und etwas Abstand zu gewinnen.


Ehrlich und direkt sein



Fressen Sie Ihren Frust nicht in sich hinein. Sprechen Sie Dinge, die Sie stören, direkt an, ohne der anderen Person einen Vorwurf zu machen. Hören Sie sich die Meinung Ihres Gegenübers an und bleiben Sie sachlich. So vermeiden Sie einen unkontrollierten Gefühlsausbruch, den Sie im Nachhinein vielleicht bereuen.


Kommt es zu so einem Gefühlsausbruch, dann reflektieren Sie darüber und entschuldigen Sie sich – falls angemessen – dafür. JedeR kann Fehler machen. Wichtig ist, dass man die Kommunikationswege offen hält und gegebenenfalls, nachdem sich alle wieder etwas beruhigt haben, noch einmal auf einander zugeht.



Den Perfektionismus loslassen


Es hilft, etwas Druck aus den Alltagssituationen zu nehmen. Sie müssen nicht immer perfekt gestylt sein, und die Kinder müssen nicht jede Aufgabe mit Bravour lösen. Dauert die Arbeit einmal etwas länger, weil Sie öfter unterbrochen wurden oder wird der Geschirrspüler einmal etwas später ausgeräumt? Das ist in Ordnung!

Wir wissen alle, egal in welcher Situation wir uns befinden, dass die momentane Krise eine große Herausforderung darstellt. Auch Ihr Chef und Ihre KollegInnen werden Verständnis zeigen, wenn etwas einmal nicht so klappt wie sonst. Zeigen auch Sie Ihren KollegInnen, Familienmitgliedern und MitbewohnerInnen Verständnis.



Spaß und Freude am Zusammenleben finden



Schauen Sie am Abend gemeinsam einen lustigen Film, oder spielen Sie ein Spiel. Tanzen Sie zusammen zu einem lässigen Lied, oder spritzen Sie sich beim Abwasch kurz an. Es ist ungemein befreiend, gemeinsam zu lachen.


Planen Sie erholsame und entspannende Aktivitäten ein, die Sie alle gemeinsam machen können und Ihnen allen auch Spaß machen. Genießen Sie die Zeit, die Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, Ihren Kindern und Ihren MitbewohnerInnen verbringen können.



Hilfe holen


Es ist völlig normal, dass man in diesen Zeiten angespannter, ängstlicher und dünnhäutiger ist. Manchmal kann man darüber mit den Liebsten nicht gut sprechen ohne dass gleich ein Streit ausbricht, oder man braucht Hilfe, eine verzwickte Situation Daheim zu lösen.


In diesen Fällen können Sie sich gerne direkt bei mir melden und ein Beratungsgespräch ausmachen.


Sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie unter einer ausgeprägten Niedergeschlagenheit und/oder ständigen Angstzuständen leiden, wäre eine Therapie eventuell hilfreicher. Auch in diesem Fall können Sie sich bei mir melden, damit ich Sie an die richtige Ansprechperson weiterleiten kann.


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